Restaurierung eines Schrankes aus der Gründerzeit


Esche ist, genau wie Eiche ein grobporiges Holz. Neben Schellack bieten sich hierbei auch Öle oder Wachse zur Oberflächenversiegelung an. Mit dem passenden Öl kann man dem Holz einen wunderbaren natürlichen Charakter verleihen.
Als reines Naturprodukt ist Öl nicht nur umweltfreundlich, sondern fühlt sich auf dem Holz auch sehr gut an und gibt einen schönen seidenmatten Glanz.

Klemmende Türen und Schubladen - was tun?

Der hier vorgestellte Wäscheschrank aus der frühen Gründerzeit hatte eine sehr stark ramponierte Lackoberfläche als er zu uns in die Werkstatt kam. Die rissige und brüchige Lackoberfläche deutete darauf hin, dass die Lackierung auf eine vorher vorhandene Oberflächenversiegelung aus Öl oder Wachs aufgetragen wurde und somit nicht richtig "haften" konnte. Außerdem war dem Lack wohl eine Beize beigemischt worden, der dem Escheholz einen Kirschbaumfarbton geben sollte.

Die Beschläge des Schrankes waren nicht mehr original und auch nicht zum Stil des Möbelstückes passend. Die Schubladen liefen nicht mehr "flüssig", die Schranktüren klemmten und ließen sich nicht mehr gut schließen.

Insgesamt wirkte der Schrank abgegriffen und restaurierungsbedürftig.


In Absprache mit der Kundin haben wir uns dafür entschieden uns vom alten Lack und auch vom unnatürlichen Kirschbaumfarbton zu verabschieden.
Natürlich ist es ok, wenn man Hölzer mittels Beize den eigenen Vorlieben entsprechend farblich anpasst. Der hier verwendete Farbton wirkte aber zum einen völlig unnatürlich, zum anderen waren im Haushalt andere Möbel aus Esche vorhanden, die nicht farblich verändert worden waren.

Lack oder Öl?

Nachdem alle Beschläge entfernt und der Schrank in seine Einzelteile zerlegt war, haben wir im ersten Schritt der Restaurierung den alten Lack abgenommen. Sofern es möglich ist, versuchen wir Lacke mit Alkohol, Bürsten und feiner Stahlwolle zu entfernen. Wenn dies nicht möglich ist muss geschliffen werden. So auch in diesem Falle. Die glatten Flächen können mit Schleifpapier bearbeitet werden, bei geschnitzten Elementen kommt die Messingbürste zum Einsatz.
Auch innen wird die Oberfläche angeschliffen und für den Ölauftrag vorbereitet. (Manchmal sind Schubladen oder Regalbretter mit Tapete oder Stoff ausgeschlagen. Je nach Kundenwunsch können wir dies entfernen oder behalten und konservieren.)

Anschließend haben wir die Schubladen wieder gängig gemacht. Dazu werden die abgenutzten Unterseiten der Laufleisten erst gerade geschnitten und durch frisches Holz (in diesem Falle Buchenholz) ersetzt. Auch die Gegenseite wird begradigt und ggf. ersetzt.

Die Rosettenbeschläge haben wir gedrechselt. Stilistisch passen diese Beschläge in die Epoche Louis-Philippe, waren aber auch noch in der frühen Gründerzeit beliebt.
Die nicht vorhandenen Schlüssel haben wir nachgefertigt.

Holz ölen - wie geht's richtig?

Das Öl zur Versiegelung der Oberfläche wird in drei bis vier Arbeitsgängen aufgetragen. Wir verdünnen das Öl mit Alkohol um eine höhere Viskosität für den ersten Ölauftrag zu erreichen. So dringt es tiefer ins Holz ein, der Alkohol verfliegt. Für die weiteren Schichten nutzen wir das Öl unverdünnt.

Durch das Öl kommt die Maserung des Holzes wieder schön zur Geltung. Nun sieht man wieder wie sorgfältig der Tischler vor ca 150 Jahren gearbeitet hat. Das Eschefurnier wurde "gespiegelt" verlegt. Auf den Fotos sehen Sie, dass die Schlagleiste als Symmetrieachse fungiert. Links und rechts davon sind die Hölzer nahezu spiegelbildlich angeordnet.


Vorher

Vorher

Vorher

Vorher

Vorher

Vorher

Vorher

Nachher

Nachher

Nachher

Nachher

Nachher

Nachher

Nachher

Gerne restaurieren wir auch Ihr antikes Möbelstück!

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