Restaurierung einer antiken Standuhr


Eine antike Uhr hat doch immer zwei Aufgaben.
Zum Einen soll sie schön aussehen, sie soll den Ort, an dem sie steht mit ihrem Charme erfüllen und sie soll beitragen zu einer individuellen Raumgestaltung.
Zum Anderen soll sie natürlich funktionieren. Sie soll die Zeit anzeigen, vielleicht sogar noch das Datum und die Mondphasen. Sie soll schlagen - und zwar genau dann, wenn eine Stunde rum ist. Keine Minute früher und auch keine später...

Was wird bei der Grundüberholung einer antiken Uhr gemacht?

Antike Uhren laufen viele Jahre und Jahrzehnte, bei der richtigen Wartung auch Jahrhunderte. Aber eines darf man nicht vergessen, bei mechanischen Uhren greifen nicht nur sprichwörtlich viele Rädchen ineinander.
Die häufigste Abnutzung entsteht durch permanente Reibung insbesondere an Zapfen, Lagern, Ankerpaletten, Hebeln, Trieben etc. So dreht sich ein Ankerradzapfen im Laufe der Jahre zigmillionen mal in seinem Lager. Eine enorme Leistung, die aber auch an den Bauteilen einer antiken Uhr nicht spurlos vorübergeht. Wo Bewegung ist, wo Kräfte wirken, wo Metall auf Metall arbeitet, da gibt es immer auch Abrieb.

Um den Verschleiß durch Reibung zu reduzieren wird z.B. zwischen Zapfen und Lager ein Ölfilm angelegt. Dieses Öl vermischt sich jedoch zunehmens mit Staub und Abriebpartikeln und verliert so seine schmierende Wirkung. Stattdessen bildet sich kontinuierlich eine zähflüssige Masse mit zunehmend schmirgelndem Effekt. Die Lager laufen aus, die Zapfen schleißen ein.

Im Zuge einer Grundüberholung wird das Uhrwerk vollständig zerlegt. Sämtliche Teile werden auf Funktionalität und korrekte Passform überprüft. Dort, wo nötig, werden Lager erneuert, werden Zapfen arrondiert und werden alle Kontaktflächen an Hebeln, Stiften und Zähnen nicht nur einfach gereinigt, sondern geglättet und poliert. Denn glatte Flächen erzeugen weniger Reibung und bilden zudem eine Art Korrosionsschutz. Selbstverständlich werden alle nötigen Stellen anschließend mit entsprechenden Spezialölen versorgt.
So, von Grund auf überholt, kann das Werk nun wieder lange Dienste tun.


Restaurierung einer englischen Standuhr

Bei der hier vorgestellten Standuhr wurde zunächst das Gehäuse gereinigt. Auf Schleifmittel konnte dabei nahezu komplett verzichtet werden, wodurch tiefere Macken und Unebenheiten bewusst erhalten blieben.
Die fehlenden Metallkugeln oben am Kopf wurden aus Holz nachgedrechselt und blattvergoldet. Der nicht originale Knopf zum Öffnen der verglasten Tür wurde entfernt und stattdessen wurde der alte Verschlussmechanismus aus dem Inneren des Korpus wieder hergestellt.
Durch die Schellackpolitur hat das Holz wieder Kraft und "Tiefe".

Das Uhrwerk zeigte eine solide und insgesamt gut erhaltene Grundsubstanz. Neben den üblichen Maßnahmen einer Grundüberholung bedurften einige Positionen dennoch einer besonderen Zuwendung:

-Die formschönen, handgemachten Zeiger wurden von bröseligen Lackresten befreit, sodass der elegante, stahlblaue Farbton wieder schön zur Geltung kommt.
-Die fehlende Pendelfeder wurde aus gebläutem Federstahl erneuert. An der unteren Pendelseite wurde die Gewindestange erneuert und eine Rändelmutter zum Regulieren angebracht.
-Verbogene Zähne am Datumschaltrad wurden gerichtet und das Rad wurde wegen ungleich langer Zähne neu arrondiert (siehe Fotos). Die zugehörige Arretierfeder war gebrochen und außer Funktion. Sie wurde aus Federstahl neu angefertigt und gebläut (siehe Fotos).
-Die Triebzähne des Ankerrades zeigten sich besonders stark eingelaufen, ebenso wie die Hebeflächen des Ankers der rückführenden Hemmung. Durch schleifen und polieren der Hebeflächen würde bei dieser Hemmung die Eingriffsgeometrie nachteilig verändert werden. Daher wurde, um die Eingriffe zu korrigieren, die komplette Welle des Ankerrades axial versetzt. Dadurch laufen die Triebzähne des Ankerrades auf einer neuen, unbenutzten Spur. Gleichzeitig treffen die Zähne des Ankerrades auf eine nicht verschlissene Hebefläche des Ankers. Durch diese Maßnahmen verbessert sich die Kraftübertragung an zwei entscheidenden Stellen signifikant (siehe Fotos).
-Erwähnenswert ist auch das extrem stark ausgelaufene triebseitige Minutenradlager. Es war längsoval soweit erweitert, dass es nicht, wie meistens üblich, mit der Reibahle aufgerieben werden konnte, denn dann wäre die Lagerbohrung nicht mehr richtig zentriert gewesen. So musste das Lager zunächst entgegen der Verschleißrichtung aufgefeilt werden, sodass sich die Bohrung hernach wieder mittig in der Ölsenkung befand und die Welle lotrecht stand (siehe Fotos).
-Last but not least wurden neue Darmschnüre eingesetzt sowie eine ordentlich passende Aufzugskurbel angefertigt.

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Restaurierung Uhr

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Mahagoni Schellackpolitur

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Restaurierung vorher nachher

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Uhr läuft nicht mehr

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Trieb und Zahnrad

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Zapfen arrondieren

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gereinigtes uhrwerk

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Englische Standuhr

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Lager ersetzen Uhr

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Trieb Welle

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Arrondieren Zahnrad

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