Österreich
Kirsche
frühes 19. Jahrhundert
Maße: H x B x T: 99 x 133 x 79 cm, Schreibhöhe: 80 cm
Beschreibung:
Auf schlanken Spitzbeinen stehender Korpus mit klar gegliederter Front. Der Unterbau wird durch zwei Türen gebildet mit einer darüber befindlichen Schubladenreihe. Den oberen Abschluss bildet ein Schreibaufsatz mit Rollverschluss.
Das Möbel ist vollständig in Kirschbaum furniert. Die Lisenen werden durch feine Fadeneinlagen aus Ebenholz gegliedert. Dunkle Randeinfassungen an Türen- und Schubladenfronten betonen die präzise Linienführung des Möbelentwurfs.
Der Rollverschluss verfügt über ein Stangenschloss, das seitlich in die Wangen des Möbelstücks riegelt. Im geschlossenen Zustand wird zudem ein rechts unten angebrachter Hebel betätigt, der die Schreibplatte gegen ein Herausziehen sichert.
Aus zahlreichen schmalen Lamellen gebildet, kann der Rollverschluss beim Öffnen einen engen Radius überwinden und wird so im hinteren Bereich des Möbels versenkt.
Im geöffneten Zustand zeigt sich ein klar gegliederter, aufgeräumter Arbeitsbereich mit einer herausziehbaren Schreibfläche, die zusätzliche Beinfreiheit schafft. Die Platte verfügt über einen stufenlos in der Neigung verstellbaren Mittelteil.
Dahinter befindet sich eine Reihe von scheinbar vier Schubladen und einem mittigen Freifach. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die beiden äußeren Schubladen jedoch als Blenden - die dahinterliegenden, versteckten Schübe werden freigegeben, indem die Mittelwand nach hinten abgeklappt wird. Anschließend lassen sich die Schübe nach innen herausziehen.
Das besondere Highlight des Möbelstücks ist ein über die gesamte Breite verlaufendes Eingerichte, das sich im oberen hinteren Bereich des Möbels verbirgt. Es liegt also in jenem Raum, der auf den ersten Blick lediglich als notwendiger Hohlraum für den Rollverschluss erscheint.
Mithilfe eines raffinierten Kurbelmechanismus mit Schneckentrieb wird das verborgene Fach angehoben. Es besteht aus acht kleinen Schublädchen und drei offenen Fächern.
Der Schreibtisch ist auch rückseitig sorgfältig und sauber verarbeitet. Er könnte also als repräsentatives Möbelstück freistehenderweise in einem größeren Büro oder Kontor gedient haben.
Wissenswertes:
Dieser Schreibtisch ist in seiner Gesamterscheinung typisch für den Wiener Möbelbau des frühen 19. Jahrhunderts. Mechaniken wie die hier vorliegende sind unter anderem von Karl Schmidt und Gottlieb August Pohle belegt. Entsprechende technische Zeichnungen, die im MAK Wien verwahrt werden, bestätigen dies (siehe beiliegende Fotos).
Sowohl der Schneckentrieb im Kurbelmechanismus als auch der Lamellenverschluss mit abklappbarer Front sind charakteristisch für Möbelentwürfe von Karl Schmidt. Eine Fertigung in dessen Betrieb erscheint daher naheliegend.
Auch der Umstand, dass es sich bei diesem Schreibtisch um ein Modell handelt, das – in leicht variierenden Ausführungen – in kleiner Serie gefertigt wurde, spricht für die Entstehung in dieser hochspezialisierten Werkstatt.
Zustand:
Hervorragender Zustand mit einer Schellack Handpolitur. Die Mechanik sowie alle beweglichen Teile funktionieren einwandfrei.
Preis: 12800,-€
Vergleichen Sie bitte die folgende Fachliteratur:
Asenbaum - Witt-Dörring - Moderne Vergangenheit 1800–1900 - Entwürfe aus Wien S. 214
Rainer Haaff - Biedermeier-Möbel - Deutschland und Donaumonarchie S. 230
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