Video Marketerie Zylinder-Sekretär

Inhalte werden geladen ...
Antiquitäten Sekretär Möbel Marketerie
Marketerie
Klassizismus Louis XVI
Brandschattierung
Holz Gravur Elfenbein
Galerie Balbach Feine Antiquitäten
Tischlermeister Marketerie Intarsie
Urnenvase Monument Louis XVI
Antiquitäten Sekretär Möbel Marketerie
Stefan Baumeier Feine Möbel aus Westfalen
Georg Himmelheber Die Kunst des deutschen Möbels
Einlegearbeit Holz
Blumengesteck Holzarbeit
Sekretär antik spätes 18. Jahrhundert
Schwalbenschwanz Zinkung
Kanneluren
Kunsthandwerk Münster Museum

Klassizistischer Aufsatzsekretär mit aufwendiger Marketerie

Süddeutschland
Nussbaum u.a.
Klassizismus um 1790


Maße: H x B x T: 213 x 115 x 57 cm

Beschreibung:
Außergewöhnlich reich marketiertes Möbelstück aus dem deutschen Klassizismus des späten 18. Jahrhunderts.

Das Möbelstück wird dominiert von extravaganten Marketerien. So wird schon die konisch zulaufende Form der in Messing Sabots stehenden Beine durch eine entsprechende Einlegearbeit betont. Die Lisenen sind mit Trompe-l'œil Kanneluren eingelegt, Friese ziehen sich ober- und unterhalb des Schreibfaches, Filetbänder sind in unglaublicher Fülle vorhanden.
Auf der Front des Möbels finden sich insgesamt neun große Marketeriefelder. In den ovalen Medaillons sehen wir aufwendig gestaltete Blumengestecke.

Beim kommodenartigen Unterbau richtet sich die optische Gliederung nicht nach der Höhe der Schubladen, sondern wird durch die Einlegearbeiten vorgegeben, die sich, unabhängig von der Schubladenhöhe, über zwei der drei sans traverse gearbeiteten Laden erstrecken. Diese gestalterische Entscheidung unterstreicht sicher den Anspruch des Erschaffers den Sekretär nicht einfach als Möbelstück, sondern als künstlerisches Werk angefertigt zu haben. Für diese Theorie spricht auch der Verzicht auf Griffe, die das Bild gestört hätten und gar der Verzicht auf ein Schloss in der zweiten Schublade von unten, die also nur geöffnet werden kann, wenn zuvor der darunter befindliche Schub ein Stück weit herausgezogen wird.
Als zentrales Motiv tritt an der beschriebenen Stelle eine Fluss- und Ruinenlandschaft in Erscheinung. Ganz dem Zeitgeschmack des Klassizismus entsprechend, waren Ruinen ein beliebtes Sujet, erinnerten sie doch an die großen architektonischen Leistungen der Antike und vergangener Epochen.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Einlegearbeit der zylindrisch geformten Schreibklappe. Auch hier begegnen wir historischer Architektur: Links ein burgenähnlicher Komplex, rechts eine Gruppe von Fachwerkhäusern.
Im Vordergrund, auf einer Anhöhe vor dem Flusslauf, sehen wir eine kleine Figurenstaffage. Die fein gravierten Gesichtszüge der linken Figur sind auf einem der Detailfotos gut erkennbar.
Besonders hervorzuheben ist die Qualität der Brandschattierungen, die sowohl den Architekturszenen als auch den umgebenden Blumengestecken eine plastische, ja eine dreidimensionale Wirkung verleihen.

Der eintürige Aufsatz des Möbelstückes verfügt über drei hochrechteckige Felder mit Eckblättern. Auf dem risalitartig vorspringenden Mittelteil sehen wir ein auf einem breiten Sockel stehendes Ehrenmal mit einer auf einer kannelierten Säule postierten Urnenvase.
Ein mit ausgebreiteten Schwingen sitzender Adler bewacht das Monument, dessen von reifen Früchten umgebene Figur im Medaillon möglicherweise Rückschlüsse auf den Besteller des Möbelstückes geben könnte.
Oberhalb des Aufsatzes verbirgt sich eine flache Schublade, die durch einen versteckten Auslöser geöffnet wird, im Gesims. Dieser Geheimschub wurde wohl in einer älteren Restaurierung ergänzt.

Öffnen wir den Zylinderverschluss, so ergibt sich ein geräumiger Schreib- und Arbeitsplatz mit vier Schubladen und drei offenen Fächern.
Hier, bestmöglich vor Sonnenlicht geschützt, vermittelt die originale, sehr gut erhaltene Grünfärbung auf der Rahmung der Schreibfläche einen Eindruck davon, in welch satter Farbigkeit das ganze Möbelstück einst ausgestaltet war.

Der Grünton hat sich auch im Innern des Aufsatzes gut erhalten, ansonsten sind die ursprünglich bunten Farben der Blüten, das Blau des Himmels und auch die Farbigkeit der Landschaften im Laufe der etwa 250 Jahre seit Entstehung des Möbelstückes nach und nach verblichen.

Der Unterbau des Möbelstücks wurde in Stollenbauweise gefertigt: Die Beine dienen dabei als tragende Pfosten, in die starke Bretter als Seiten und Rückwand eingestemmt sind. Schauen wir uns das Foto an, auf dem die Rückwand des Möbels zu sehen ist, so fällt auf, dass der untere Teil aus einer einzigen, breiten Holzplanke besteht. Das ist ungewöhnlich und spricht für die hohe Qualität des verwendeten Materials. Es wurde nicht auf minderwertiges oder gar Restholz zurückgegriffen, wie es bei Rückwänden häufig der Fall ist, sondern durchgängig mit bestem Eichenholz gearbeitet.

Wissenswertes:
Ursprünglich waren die Marketerien sicher alle bunt gefärbt und das Möbel stand mit seiner damaligen Farbigkeit in starkem Gegensatz zu seinem heutigen Erscheinungsbild. Der natürliche Alterungsprozess -beschleunigt durch Sonnenlicht und Umwelteinflüsse- ließ die Färbemittel verblassen oder ganz verschwinden, sodass diese farblichen Nuancierungen heute nur noch in Spuren erkennbar sind.

Dass Marketerien des 18. Jahrhunderts nicht nur aus unterschiedlich farbigen Holzarten bestanden, sondern häufig zusätzlich bunt eingefärbt wurden, ist durch zahlreiche historische Rezepturbücher belegt. Die sogenannte peinture en bois, also „Holzmalerei“, war eine gängige Praxis unter Ebenisten jener Zeit.
Die Techniken des Färbens waren mit erheblichem Aufwand verbunden und wurden unter den Kunsttischlern streng gehütet. Nussbaum diente als gängiges Grundfurnier, Ahorn wurde gefärbt: Neben einheimischen Pflanzenfarben wurden exotische Hölzer und Wurzeln zum Ansetzen des Färbesuds verwendet. Gehandelt wurden diese Färbemittel im Kolonialwarenhandel zu ähnlich hohen Preisen wie Pfeffer oder Tee.
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen Chronisten damit, die Verfahren zur Herstellung und Färbung von Marketerien systematisch zu dokumentieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Zeitgeschmack jedoch bereits gewandelt: Die Marketeriekunst verlor an Bedeutung, schlichtere Formen des Klassizismus und später des Empire und Biedermeier setzten sich in den Kunstzentren Europas durch. In den ländlichen Regionen hingegen hielt sich die Tradition der farbigen Marketerie noch länger.

Sowohl die arbeitsintensive Verarbeitung als auch die zum Teil kostspieligen Färbemittel ließen derartige Möbel wie das hier angebotene schon damals zu kostspieligen Kunstgegenständen werden, die sich nur der Adel, hochrangige Bedienstete der Kirche oder die allerhöchste Bürgerschicht hat leisten können.

Zustand:
Restaurierter, alltagstauglicher und authentischer Zustand mit einer schönen Alterspatina.

Preis: 12500,- €

Ähnlich aufwendige Marketerien sind aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet bekannt. Vergleichen Sie dazu bitte die folgende Literatur:

Kreisel / Himmelheber - Die Kunst des deutschen Möbels - Band III - Klassizismus - Historismus - Jugendstil Abb. 169 und folgende

und:

Françoise Lévy-Coblentz - L’art du meuble en Alsace au siècle des Lumières S. 330 Abb. CXL

Auch aus dem Großraum Augsburg sind Arbeiten dieser Art bekannt:

Christoph Graf von Pfeil - Die Möbel der Residenz Ansbach ab. S. 276

Mehr zum Thema Holzfärbung erfahren Sie in folgendem Fachbuch:

Stefan Baumeier - Feine Möbel aus Westfalen ab S. 101

Artikel gefunden unter: Sekretäre

Zum Warenkorb hinzufügen 12500
Video Marketerie Zylinder-Sekretär

Auch interessant

Süd-West-Deutschland
Kirsche
Biedermeier um 1830

Schlichter Biedermeier Sekretär

Süd-West-Deutschland
Kirsche
Biedermeier um 1830

Süddeutschland
Nussbaum
Biedermeier um 1820

Kleiner Biedermeierschrank

Süddeutschland
Nussbaum
Biedermeier um 1820