Mitteldeutsch
Nussbaum, Ahorn, Zwetschge
Barock um 1760
Maße: H x B x T: 80 x 114 x 73 cm
Beschreibung:
Äußerst seltener, multifunktional nutzbarer Spieltisch aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Auf Bockfüßen stehendes Möbelstück mit geschweiften Beinen, deren Silhouetten durch geschnitzte Profilleisten betont werden. Den oberen Abschluss bilden C-Schwünge und Rocaillen – typische Gestaltungselemente des Barock.
Die geschwungene Form wird in der lose aufgelegten Tischplatte wieder aufgenommen. Auch die C-Schwünge finden sich dort als dunkel eingelegte Marketerien wieder. In raffinierter Trompe-l'œil-Technik verlegte Hölzer lassen die flache Platte wie eine plastisch ausgearbeitete Oberfläche erscheinen.
Im Zentrum der Tischplatte befindet sich ein kartuschenartig eingefasstes Feld aus Ahorn, das in feinster Gravurtechnik eine maritime Szenerie in einem antikisierenden Hafen zeigt.
Die drehbare Platte ist rückseitig als Spielfläche für Kartenspiele nutzbar. In ein von Mooreiche und Ahorn gerahmtes, symmetrisch verlegtes Nussbaumfeld sind illusionistisch wirkende Spielkarten eingelegt. Auch hier gelang dem Tischler eine eindrucksvolle Tiefenwirkung – in diesem Fall durch eine sogenannte Brandschattierung, bei der das Holz durch Erhitzen weiche Farbverläufe erhielt, die wie Schatten wirken.
Nehmen wir die Tischplatte beiseite, so präsentiert sich der Tisch mit einem von aufwendigem Bandelwerk gerahmten Schach- und Mühlespielfeld. Beide Spielfelder sind herausnehmbar und rückseitig schwer leserlich bezeichnet bzw. signiert.
An derselben Stelle findet sich darunter ein Backgammon- bzw. Tric-Trac-Feld. Auch dieses Spielfeld ist fein marketiert: Auf einem Grund aus Nussbaumwurzel sind die dreieckigen Spielfeldflächen abwechselnd in Ahorn- und Zwetschgenholz ausgeführt. Betont werden sie von feinen Fadenintarsien aus hell-dunkel kontrastierenden Ebenholz-, Mahagoni- und Ahornfäden.
Auch die feine Gravurtechnik der Deckplatte findet sich hier wieder: Auf hellem Holz sind Architekturszenen, Blütenmotive und Akanthusranken dargestellt.
Das Backgammon-Spielfeld ist ebenfalls herausnehmbar. Dank der auf der Unterseite montierten Füße kann es auch separat an jedem anderen Tisch verwendet werden. An den Ecken - auf einem der beigefügten Fotos gut zu erkennen - ist die handwerklich typische Schwalbenschwanzzinkung sichtbar.
Bei entnommenem Backgammon-Feld zeigt sich mit einem Kegelspiel die absolute Besonderheit dieses Tisches.
Das Spielfeld besteht aus spiegelbildlich angelegtem Nussbaumfurnier, auf dem neun Kegel aufgestellt werden können. Diese Kegel befinden sich in einer speziell dafür vorgesehenen Schublade, verborgen in der Zarge des Tisches.
Ein Teil des umlaufenden Plattenrandes ist als konisch gearbeitete Gratleiste ausgeführt. Diese kann herausgenommen werden und darunter befindet sich eine schiefe Ebene als Startpunkt für den Kugellauf, der durch einen hohlgearbeiteten Tunnel innerhalb des Plattenrandes führt.
Mit einem Queue wird die Kugel in den Tunnel gestoßen und verlässt ihn auf der gegenüberliegenden Seite um die Kegel umzuwerfen.
Zustand:
Sehr schöner, aufgearbeiteter Zustand. Im Lieferumfang enthalten sind 11 Kegel, 3 Kugeln, je 14 helle und dunkle Spielsteine sowie ein jüngerer Satz Schachfiguren.
Preis: 13500,-€
Ein absolut unikates Möbelstück in Museumsqualität.
Ähnlich aufwendige Spieltische finden Sie in der Fachliteratur:
Heinrich Kreisel - Die Kunst des deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko Abb. 669 und Abb. 890
Uwe Dobler - Barock-Möbel ab S. 230
Artikel gefunden unter: Tische

Frankreich
Mahagoni
Mitte 19. Jahrhundert

Frankreich
Palisander u.a.
Mitte 19. Jahrhundert

Deutschland
Nussbaum
Gründerzeit um 1890