Italien
Kirschholz, Scagliola
Mitte 19. Jahrhundert
Maße: H x B x T: 79 x 113 x 67 cm
Beschreibung:
Das Tischgestell ist aus massivem Kirschholz gefertigt. Die geschwungen ausgesägten Zargen sind in die Stollen der geschweiften Beine eingestemmt. Diese stabile Unterkonstruktion trägt die von einem Rahmen aus Kirsche eingefasste Platte aus intarsiertem Stuckmarmor, dem sog. Scagliola.
Die Platte ist mit zahlreichen eingelegten Spielkarten gestaltet. Es handelt sich scheinbar um ein 32 Karten Blatt französischer Herkunft mit der Bezeichnung G.DE PARIS sowie den Benennungen von Buben, Damen und Königen mit großen Namen aus historischen, mythologischen und biblischen Kontexten. So sehen wir unter anderem ALEXANDRE – Alexander der Große, König von Makedonien, CÉSAR – Gaius Julius Caesar, römischer Feldherr, PALLAS – Pallas Athene, griechische Göttin der Weisheit, DAVID – König David aus der Bibel und HECTOR – Der trojanische Prinz und Held aus Homers „Ilias“ - um nur einige zu nennen.
Die Karten liegen wie mitten im Spiel, teils nach Wertigkeit sortiert, teils noch umgedreht im Stapel. Die Pik 8 liegt in zwei Häften zerrissen im Zentrum des Geschehens.
Der schwarze Untergrund besteht scheinbar aus Granit. Wie die komplette Platte, samt Spielkarten und dem Rahmen aus verschiedenfarbigen Marmorstücken, handelt es sich hier um die heute kaum noch praktizierte Scagliola Technik.
Bei diesem schon in der Antike gebräuchlichen Verfahren wurde der damals sehr kostbare Marmor durch ein Gemisch aus Gips, Knochenleim, Wasser und Farbpigmenten imitiert. Durch Färben des Gipses und Ineinanderdrehen und Verkneten der Masse ließen sich Natursteine wie Marmor und Granit perfekt imitieren.
Die Strukturen sind also nicht so wie beim Stucco-Lustro nur oberflächlich aufgemalt, sondern in der kompletten Masse vorzufinden, was den Vorteil hat, dass die Platte geschliffen und poliert werden konnte. Die einzelnen Stücke ließen sich gut schneiden und zueinanderfügen, sodass der Betrachter eine gut gemachte Scagliola-Platte von einer Pietra-Dura-Platte (echte Steinintarsien) kaum unterscheiden kann.
Und auch bei dem hier vorliegenden Werk sind die Steinflächen tatsächlich täuschend echt imitiert, schauen Sie sich dazu z.B. den schwarzen Untergrund an, der mit seinen vielen winzigkleinen hellen Einschlüssen den Eindruck eines echten Granitsteines vermittelt.
Die Scagliola Technik hatte ihre Hochphase im italienischen Barock, wo ganze Innenräume auf diese Weise gestaltet wurden. Die Vorteile lagen klar auf der Hand. Das Material konnte vor Ort hergestellt werden und hatte keine langen Lieferwege, es ließen sich beliebige Farben und Strukturen erzeugen, auch solche, die in der Natur nicht vorkamen und das verhältnismäßig leichte Material ließ sich in beliebigen Größen herstellen, was es tauglich machte für Wandvertäfelungen, hohe Säulen und Deckenverkleidungen. Außerdem war es bedeutend günstiger als der mühevoll abgebaute und aufwendig zugeschnittene Marmor.
Heute ist das Wissen um die Herstellung von Scagliola, dem sog. Stuckmarmor, nur noch wenigen geläufig. Durch den Verzicht auf derartig aufwendige Raumgestaltungen im Klassizismus und durch die Entwicklung effektiverer und günstigerer Techniken zum Marmorabbau ab dem Zeitalter der Industrialisierung kam die Scagliola Technik aus der Mode. Und so ist dieser Tisch ein seltenes Beispiel dieses doch so faszinierenden Handwerks.
Zustand:
Wunderbarer Zustand mit einer authentischen Alterspatina. Die Tischplatte ist nicht mehr, wie sicher ursprünglich, hochglänzend, sondern ist im Laufe der Jahre matt geworden. Sämtliche Spuren des Alters und der Nutzung im Holz wurden bewusst erhalten und konserviert. Die Oberfläche wurde sanft gereinigt und mit Schellack aufgefrischt.
Preis: 8500,-€
Hojer / Ottomeyer - Residenz München II - Die deutschen Möbel des 16.-18. Jahrhunderts ab. S. 57
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Nussbaum
Ende 19. Jhdt.

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