Paris
Bronze, Marmor, Emaille
Empire um 1813
Maße: H x B x T: 30 x 30 x 15 cm
Beschreibung:
Die Pendule "La Lieuse" ist wohl die bekannteste Uhr, des in Leipzig geborenen und in Paris berühmt gewordenen Bildhauers und Bronzegießers Jean-Andre Reiche.
Die Uhr ruht auf fein gedrehten, balusterförmigen Füßen aus feuervergoldeter Bronze. Unterhalb des Marmorsockels befindet sich ein durchbrochen gearbeiteter Bronzebehang mit zentralem Muschelmotiv und seitlich ausgreifendem Rankenwerk.
Das Hauptaugenmerk gilt der figürlichen Bronzearbeit. Dargestellt ist eine junge Frau - Die Lesende - La Liseuse. Sie sitzt auf einem fein ausgearbeiteten Empiresessel, der mit applizierten Akanthusranken und Palmetten verziert ist. In leicht gebeugter Haltung konzentriert sie sich auf ihre Lektüre. Eine auf dem Tisch befindliche Öllampe spendet ihr Licht und steht sinnbildlich für die Gelehrsamkeit und das nächtliche Studium.
Die Uhr greift somit ein zentrales Thema der Zeit um 1800 auf: die Bildung der Frau. Obwohl der Zugang zu Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen weiterhin nahezu ausschließlich Männern vorbehalten blieb, gewann die literarische und musische Bildung von Frauen im bürgerlichen Kontext zunehmend an Bedeutung.
Hinter dem Sessel – und das unterscheidet diese Uhr von vielen vergleichbaren Modellen – befindet sich eine englische Bulldogge. Schoßhunde und gezielt gezüchtete Rassen waren bereits im 17. und 18. Jahrhundert an den europäischen Höfen verbreitet. Im frühen 19. Jahrhundert hielten sie zunehmend auch Einzug in bürgerliche Haushalte. Im ikonographischen Zusammenhang dieser Uhr lässt sich der Hund als Sinnbild für Treue und Häuslichkeit verstehen.
Der auf Tatzenfüßen stehende und von einem Tuch verhüllte Tisch trägt auf der Vorderseite das emaillierte Ziffernblatt mit schwarzen römischen Ziffern sowie der Signatur des Uhrmachers Armingaud Lⁿᵉ à Paris, wobei „Lⁿᵉ“ die Abkürzung für L’aîné (der Ältere) ist - eine gängige Schreibweise um den älteren Meister innerhalb einer Werkstatt oder Familie zu kennzeichnen.
Die Werkstatt Armingaud ist im Tardy - Dictionnaire des Horlogers Francais nachweisbar. Sie wurde von 1806-1813 vom Vater (L’aîné) an der Rue Meslay, Bd de la Porte St-Martin betrieben und ab 1813 vom Sohn (Le Jeune) weitergeführt. Es ist davon auszugehen, dass mit der Unterscheidung von Vater und Sohn zum Zeitpunkt der Werkstattübergabe signiert wurde.
Bei dem Uhrwerk handelt es sich um ein französisches Pendulenwerk mit einer Gangdauer von einer Woche. Das Pendel ist -wie üblich zu der Zeit- an einem Faden aufgehängt. Die Regulierung der Ganggeschwindigkeit erfolgt über einen kleinen Vierkant oberhalb der 12 des Zifferblattes. Das Schlossscheiben-Schlagwerk schlägt zur halben und vollen Stunde.
Diese Uhr zeugt vom großen handwerklichen Können der Pariser Bronzegießer, Ciseleure und Vergolder im frühen 19. Jahrhundert. Die Gesichtszüge der studierenden Frau wirken konzentriert, die Hochsteckfrisur ist fein modelliert. Absolut realistisch erscheint auch der Faltenwurf ihres Gewandes und der des Tischtuches.
Das Spiel aus Glanz- und Mattvergoldung macht die unterschiedlichen Materialien anschaulich und lässt die Darstellung noch realistischer wirken.
Zustand:
Sehr schöner Zustand der Bronze. Komplett zerlegt und gereinigt (siehe beigefügte Fotos). Es gibt minimale Bereibungen im Bereich der glatten Flächen.
Das Werk wurde von Grund auf gereinigt und revidiert. Es läuft tadellos.
Preis: 5700,- €.
Vergleichbare Modelle finden Sie in der Fachliteratur:
Elke Niehüser - Die französische Bronzeuhr - Eine Typologie der figürlichen Darstellungen S. 86
Wannenes - Les plus belles pendules françaises - De Louis XIV à l’Empire S. 358
Artikel gefunden unter: Uhren
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