Video Historismus Sekretär

Inhalte werden geladen ...
Louis Philippe Sekretär Nussbaum
Louis Philippe Sekretär Nussbaum
Schloss und Schlüssel
Marketerie Sekretär
Einlegearbeit Intarsien Marketerie
Einlegearbeit Intarsien Marketerie
Geheimfach antiker Sekretär
Geheimfach antiker Sekretär
Geheimfach antiker Sekretär
Griechische Marketerie Flora
Intarsie Viktoria
Bacchantin Marketerie
Antiker Sekretär Schreibtisch
Epoche Louis Philippe
Sekretär Antiquitäten

Historismus Sekretär mit illusionistischer Innenarchitektur

Deutschland
Nussbaum
um 1870


Maße: H x B x T: 185 x 106 x 56 cm

Beschreibung:
Außergewöhnlich aufwendig gearbeiteter Historismus-Sekretär aus den 1870er Jahren aus der Epoche Louis Philippe / Gründerzeit.

Die Frontflächen der drei unteren Schübe und der Sekretärklappe befinden sich leicht zurückspringend in einem querfurnierten Rahmen. Dieser Teil des Möbels ist mit Maserholz furniert, dessen spiegelbildlicher Verlauf für Ruhe und Harmonie in der Möbelfront sorgt.
Darüber befindet sich die etwas breiter auskragende Kopfetage des Möbelstückes, von Zierkonsolen gestützt und ausgestattet mit einer weiteren Schublade. Dieser obere Möbelteil sowie die Seitenflächen sind in Nussbaum furniert und zeigen ein besonders dekoratives Maserbild.
Den oberen Abschluss des Möbels bildet eine geschnitzte Neorokoko-Aufsatzbekrönung mit Blütenmotiven, Muschelornamentik und geschweiften C-Voluten. Seitlich setzen kleine Fialen Akzente.

Als besonders spektakulär erweist sich das Innenleben des Schreibmöbels.
Einer Theaterbühne gleich eröffnet sich eine architektonisch inszenierte Innenraumgestaltung mit drei Rundbogengängen und insgesamt zehn gedrehten Säulen, die die Arkaden tragen.
Treppenaufgänge führen zu den mit außergewöhnlicher Präzision ausgeführten Parkettierungen der Bodenfelder. Die streng geometrischen Einlegearbeiten stehen dabei in spannendem Kontrast zu den ansonsten weich geschwungenen und verspielten Formen des Möbels.
Dem ausführenden Meister gelang es, seiner Einlegearbeit ein bemerkenswertes Maß an Plastizität und illusionärer räumlicher Tiefe zu verleihen. Er erreichte dies durch den gezielten Einsatz stark kontrastierender Hölzer sowie durch die bewusste Ausrichtung der Holzfasern zur Verstärkung der perspektivischen Wirkung. So entstanden trompe-l’œil-artige Würfelformen, die scheinbar aus der Fläche hervortreten und die den Betrachter beinahe dazu verleiten, mit der Hand über die Oberfläche zu fahren, um die vermeintliche Reliefwirkung zu überprüfen.
Die Würfelmarketerien wurden vermutlich nicht aus einzeln eingesetzten Furnierstückchen aufgebaut, sondern aus zuvor verleimten Musterstäben geschnitten, deren Querschnitt bereits die illusionistische Würfelstruktur vorgab. Diese Methode erlaubte eine außergewöhnlich präzise und regelmäßige Ausführung der perspektivischen Parkettierung.
Anders verhält es sich bei der Ausführung des zentralen Furnierbildes: ein Halbkreis aus zum Mittelpunkt hin immer kleiner werdenden Furniersegmenten, dessen technische Herstellung kaum nachvollziehbar scheint. Gerade der Mittelpunkt ist bemerkenswert, denn dort treffen sehr viele radial zulaufende Fugen auf engstem Raum zusammen. Schon kleinste Ungenauigkeiten würden die gesamte Geometrie sichtbar stören. Dass die Wirkung dennoch so geschlossen erscheint, spricht für die außerordentliche handwerkliche Qualität.
Verstärkt wird der räumliche Effekt durch dreiseitig montierte Spiegel, die die aufwendige Einlegearbeit vor allem in den Seiten endlos wiederholen und den zentralen Halbkreis zu einem geschlossenen Rund werden lassen.
Oberhalb der sogenannten Korkenzieher-Säulen finden sich Einlagen mit Figuren aus dem Gestaltungsrepertoire des Klassizismus. Unmittelbar auf Augenhöhe positioniert, verleihen die antikisierenden Darstellungen der Architektur des Innenfaches eine beinahe tempelartige Wirkung.
Um wen es sich bei den Figuren handelt, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Es könnte sich links außen um Flora mit Blumenkranz handeln. Daneben dürfte eine geflügelte Viktoria mit Lorbeerkranz dargestellt sein. Die folgende Figur mit Kelch und Thyrsosstab erinnert stark an eine Darstellung aus dem Umkreis des Dionysos- beziehungsweise Bacchus-Kultes. Die verschleierte Figur außen wiederum wirkt wie eine Personifikation von Trauer, Besinnung oder Frömmigkeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Innenraum des Schreibfaches nicht nur höchsten handwerklichen Ansprüchen gerecht wird, sondern auch ein Vorzeigestück des Historismus ist. Griff man in dieser Epoche doch alte Geschmäcker wieder auf, erinnern die gedrehten Säulen an die Formensprache des Barock, die Arkaden an die italienische Architektur der Renaissance und die perspektivischen Bodenmarketerie beinahe an Cosmati-Böden des Mittelalters.

Unterhalb des Innenlebens, unter einem herausnehmbaren Boden verborgen, findet sich ein großes Geheimfach mit einem herausnehmbaren Einsatz und zwei weiteren Schublädchen.

Zustand:
Einwandfreier, restaurierter Zustand mit einer Schellack Handpolitur.

Preis: 7850,- €

Artikel gefunden unter: Sekretäre

Video Historismus Sekretär

Auch interessant

Berlin
Mahagoni u.a.
um 1825

Sehr aufwendiger Berliner Sekretär

Berlin
Mahagoni u.a.
um 1825

Schweiz (Bern)
Nussbaum
Barock um 1760

Schweizer Schrägklappensekretär

Schweiz (Bern)
Nussbaum
Barock um 1760

Dordrecht (Niederlande)
Mahagoni, Papier, Quecksilber
datiert: 1852

Antikes Barometer

Dordrecht (Niederlande)
Mahagoni, Papier, Quecksilber
datiert: 1852