Süddeutschland (München)
Nussbaum u.a.
Barock um 1750
Maße: H x B x T: 87 x 116 x 60 cm
Beschreibung:
Süddeutsche Barockkommode in gefälliger Proportion und in typischer Münchener Gestaltung.
Auf Kugelfüßen stehender dreischübiger Korpus mit geraden Seiten und dezentem Schwung auf der Möbelfront.
Die Bandelwerkmarketerien in Zwetschge und Mooreiche werden von dünnen Ahornfaden begleitet. Sie bilden drei miteinander verwobene Rahmen auf den Schubladenfronten, in denen das Beschlagwerk montiert ist.
Wissenswertes:
Die hier vorliegende Kommode gehört zu einer charakteristischen Gruppe furnierter Rokokokommoden, die in der kunsthistorischen Literatur als „Münchner Hofkommoden“ bezeichnet werden. Dieser Möbeltyp entstand um die Mitte des 18. Jahrhunderts in den Kistlerwerkstätten des Münchner Hofes und wurde in zahlreichen Variationen für die repräsentativen Räume der kurfürstlichen Schlösser gefertigt. Inventare von Schloss Nymphenburg belegen diesen Kommodentyp bereits für die Jahre 1751 und 1758; die Fertigung nach diesem Grundmuster lässt sich jedoch bis in die späten 1760er Jahre verfolgen.
Für die Fertigung kommen unter anderem die Münchner Hofkistler Simon Prugger († 1756) und dessen Nachfolger Tobias Grün († 1778) sowie der Nymphenburger Hofkistler Johann Caspar Hörspurcher in Betracht, die im relevanten Zeitraum eine Vielzahl von „Commodkästen“ in Rechnung stellten.
Trotz der serienmäßigen Fertigung ist jede einzelne Kommode dieser Gruppe ein individuelles Möbelstück, das seine besondere Qualität aus der Variation bestimmter gestalterischer Elemente innerhalb eines beibehaltenen Grundtyps bezieht. Die Sorgfalt der Furnierung und Verarbeitung verleiht diesen Möbeln ein nobles Erscheinungsbild, das den Wohnräumen des adeligen Hofstabes angemessen war.
Die Kommoden sind grundsätzlich mit Nussbaum furniert. Charakteristisch sind diagonal zu den Achsen angeordnete Rahmenfriese aus gleichmäßig gemasertem Holz sowie Füllungen aus reicher gezeichnetem Nussbaum auf den Schubladenfronten. Die Seiten und Platten zeigen dagegen zumeist große, klappsymmetrisch angelegte und schön geflammte Furnierfüllungen.
Das Bandwerk mit begleitenden Adern dient der Trennung von Friesen und Füllungen. Während das Holz des Bandwerks variiert, bestehen die Adern nahezu immer aus Ahorn. Auf den Schubladenfronten bildet das Bandwerk regelmäßig drei Reserven für die Beschläge aus, deren Felder sich an den schmalen Enden auf unterschiedliche Weise miteinander verschränken.
Durch die nur leicht unterschiedlichen Ausführungen der Marketerie und die zugleich unverwechselbare Formensprache bilden diese Möbel eine eng zusammengehörende Gruppe, die heute als „Münchner Hofkommoden“ bezeichnet wird.
Eine ganze Reihe ähnlicher Kommoden finden Sie auf dem beigefügten fotografischen Auszug aus dem Möbelkatalog der Schlösser Nymphenburg und Schleißheim. Eine weitere Kommode dieser Gruppe hatte ich bereits vor einigen Monaten im Sortiment. Sie finden das bereits verkaufte Möbelstück unter dem folgenden Link: Münchener Barockkommode.
Zustand:
Restaurierter Zustand mit einer Schellack Handpolitur. Die Schubladen laufen sauber und flüssig, die Schlösser funktionieren. Die Beschläge wurden in einer früheren Restaurierung im Stile der Zeit ergänzt.
Preis: 5400,-€
Mehr zum Thema der Münchner Hofkommoden finden Sie in der folgenden Fachliteratur:
Brigitte Langer - Die Möbel der Schlösser Nymphenburg und Schleißheim ab S. 143
Heinrich Kreisel - Die Kunst des deutschen Möbels - Spätbarock und Rokoko Abb. 376
Artikel gefunden unter: Kommoden
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