Nord-Ost-Deutschland
Pappelmaser
Biedermeier um 1825
Maße: H x B x T: je 166 x 107 x 55 cm
Beschreibung:
Extrem seltenes Paar Biedermeier Blenderschränke aus dem Großraum Berlin / Brandenburg, um 1825.
Die auf Klotzfüßen stehenden Möbelstücke sind in Sekretärform gestaltet mit angedeuteten Schreibklappen sowie mehreren als Attrappen ausgeführten Schubladenfronten. Die Sockelpartien sind leicht vorkragend ausgeführt und verlaufen in einer hohlgekehlten Traverse nach hinten. Die darauf aufbauenden Korpusteile werden von zwei freistehenden Säulen mit fein gearbeiteten ionischen Kapitellen aus Holzbronze flankiert. Bekrönt werden die Möbel von Schinkelgiebeln mit darunterliegenden Zahnfriesleisten und Rundbogenemporen ganz oben.
Besonders auffällig ist die vollflächige Furnierung in Pappelmaser. Das sorgfältig ausgewählte Furnier changiert in einer Vielzahl honigfarbener Brauntöne und ist in nahezu perfekter Spiegelbildlichkeit verlegt. Nichts soll ablenken von der Schönheit des Holzes und so markieren auch die sparsam eingelegten Schlüsselschilder lediglich die Mittelachse, ohne selbst in den Vordergrund zu treten.
Dies Möbelpaar kann mit seiner architektonischen Gestaltung und der perfekten Furnierauswahl als Paradebeispiel preußischer Möbelkunst gelten.
Ein in der Gestaltung sehr ähnliches Möbel ist bei Wolfgang L. Eller - Schreibmöbel 1700-1850 auf Seite 387 abgebildet und mit Berlin, 1827 datiert.
Die Inneräume der Schränke sind zum Einen mit einer Kleiderstange und einem Boden ausgeführt, zum Anderen mit drei fest montierten Böden und einer Sockelschublade.
Wissenswertes:
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten die Auswirkungen der Napoleonischen Kriege und die Handelsbeschränkungen zwischen England und Preußen zu einer erheblichen Verknappung importierter Edelhölzer, insbesondere von Mahagoni. Infolgedessen gewannen heimische Hölzer wie Birken- und verschiedene Maserhölzer vorübergehend stark an Bedeutung und entwickelten sich zu gefragten Alternativen für den Möbelbau.
Das hier verwendete Pappelholz stammte überwiegend aus den Landschaften Brandenburgs. Besonders in den Flussniederungen des Havellandes standen Silberpappeln, und auch Schwarz- und Weißpappeln wurden hier häufig als Alleebäume gepflanzt.
Pappelmaserholz war aufgrund der Spannungen innerhalb seiner Holzstruktur zunächst äußerst schwierig zu verarbeiten. Seine gute Verfügbarkeit als heimisches Holz sowie die technische Weiterentwicklung wasserkraftbetriebener Furniersägen führten aber doch dazu, dass es sich ab den 1810er Jahren im Großraum Berlin zu einem besonders beliebten Furnierholz entwickelte. Seine lebhafte Maserung entfaltet nach dem Polieren eine besonders dekorative Wirkung.
Darüber hinaus spiegelte die Verwendung einheimischer Hölzer auch den Zeitgeist wider. Der bewusste Verzicht auf ausländische Luxusmaterialien wurde vielfach als Ausdruck preußischer Eigenständigkeit und nationaler Identität verstanden. Repräsentative Möbelstücke, darunter auch der bekannte Wurzelholzsekretär für Königin Luise, verdeutlichen diese Entwicklung und zeigen die besondere Bedeutung des Pappelmaserholzes innerhalb der Berliner Möbelkunst des frühen 19. Jahrhunderts.
[vgl. Achim Stiegel - Berliner Möbelkunst vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts]
Zustand:
Aufgearbeiteter Zustand mit einer Schellack Handpolitur.
Preis: 12500,-€ für das Paar
Vergleichen Sie bitte die folgende Fachliteratur:
Wolfgang Eller - Schreibmöbel 1700-1850 Abb. 363, S. 387
Georg Himmelheber - Biedermeiermöbel Abb. 220
Achim Stiegel - Berliner Möbelkunst vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
Artikel gefunden unter: Schränke & Vitrinen
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