Dänemark
Mahagoni u.a.
um 1830
Maße: H x B x T: 189 x 108 x 59 cm
Beschreibung:
Antiker skandinavischer Biedermeier-Sekretär aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Bereits im geschlossenen Zustand zeigen sich mehrere Merkmale der typischen dänischen Möbelgestaltung dieser Zeit. Hierzu zählen neben dem gespiegelt verlegten Mahagonifurnier insbesondere die geometrischen Fadenintarsien aus Zinn und Elfenbein sowie die durch entsprechende Bandeinlagen betonte geschwungene Fußgestaltung. Vergleichbare Details finden sich u.a. an einem um 1820 gefertigten Sekretär, der im Bestand des Danish Museum of Decorative Arts in Kopenhagen verwahrt [vgl. Mirjam Gelfer-Jørgensen - The Dream of a Golden Age – Danish Neoclassical Furniture 1790–1850 S.350].
Auch die Zerlegbarkeit des Möbels spricht für die Entstehungsregion. Dass der Aufsatz vom Rest des Möbels getrennnt werden kann, ist offensichtlich und war in dieser Form europaweit verbreitet. Die weitere Teilbarkeit oberhalb der Sockelschublade ist aber ein Detail, dass charakteristisch für den dänischen Kulturraum jener Zeit ist. Dies belegen ein Möbel aus dem Bestand des Städtischen Museums in Flensburg [vgl. Jörn Bahns - Biedermeier-Möbel Entstehung-Zentren-Typen Abb. 88] und ein mit "Georg Lauritz Topp 10th November 1828, Copenhagen" signierter Sekretär [vgl. Mirjam Gelfer-Jørgensen - The Dream of a Golden Age – Danish Neoclassical Furniture 1790–1850 S.358].
Ebenfalls zeit- und regionstypisch ist die streng an der Architektur orientierte Gestaltung des Möbelstückes. So ist die Front des unteren Möbelteils durch an Mauerwerksteine erinnernde Segmentierungen gegliedert und der dreigeteilte Aufsatz erinnert an zwei durch eine Balustrade verbundene Türmchen.
Die Balustrade erweist sich als eine durch einen geheimen Auslöser zu bedienende Geheimschublade, die, von Metallfedern auf Spannung gehalten, auf Knopfdruck automatisch aufspringt.
Spektakulär ist das ebenfalls streng an der Architektur orientierte Schreibfach des Möbels. Ein treppenartiger Aufgang führt zu einem von ebonisierten Säulen flankierten, scheinbar doppelflügeligen Portal. Die Säulchen tragen ein klassizistisches Gebälk mit flachem Dreiecksgiebel. Feine Fadeneinlagen aus Ahorn sorgen für eine Horizontalbetonung dahinter.
Öffnen wir die Türe, so finden sich dahinter vier weitere Schublädchen. Versteckt daneben und zugänglich nur bei herausgenommenem Schubladenfach, gibt es zwei weitere Geheimschübe. Außerdem lässt sich das komplette zentrale Element nach vorn herausziehen, sodass zwei hinter dessen Rückwand verborgene Geheimschubladen zugänglich werden.
Eine konsequente Betonung der Horizontalen wird auf den äußeren Schubladen durch geschwärzte Rillen erreicht. Auf den schwarzen Hintergründen kommen auch die feuervergoldeten Beschläge besonders wirkungsvoll zur Geltung. Neben den Löwenkopfgriffen fallen besonders die zwei Amoretten in den Rundbogenfeldern ins Auge.
Der Knabe auf der linken Seite darf mit Taube und Rose als Sinnbild für die Liebe und das private Glück verstanden werden, während die Darstellung auf der rechten mit Kornähren und Sichel für den Fleiß und den berufliche Erfolg steht.
Wissenswertes:
Der Möbeltypus Sekretär etablierte sich für den Adel und in gehobenen Haushalten bereits im 18. Jahrhunderts und avancierte im frühen 19. Jahrhundert dann zum repräsentativsten Möbelstück des bürgerlichen Wohnhauses. Mit zahlreichen Schubladen, Fächern und Geheimfächern bot er Platz für Dokumente und Wertgegenstände und entsprach so dem gestiegene Bedürfnis des Bürgertums nach einem festen Arbeitsplatz im eigenen Haus und nach einer sicheren Aufbewahrungsmöglichkeit für den persönlichen Besitz.
Aufgrund seiner komplexen Konstruktion und der Vielzahl gestalterischer Möglichkeiten eignete sich der Sekretär in besonderem Maße als Meisterstück. Vor allem das Schreibfach bot dem angehenden Meister Gelegenheit, sowohl sein handwerkliches Können als auch seine Kreativität durch raffinierte Fachteilungen, Geheimfächer und aufwendig gestaltete Innenaufbauten unter Beweis zu stellen.
Zustand:
Hervorragender, restaurierter Zustand. Die Schellackpolitur feuert die Maserung des sorgsam ausgewählten Mahagoniholzes an. Sämtliche Schlösser sind original und funktionieren. Alle Schubladen laufen sauber und flüssig.
Preis: 11800,-€
Vergleichen Sie bitte die folgende Fachliteratur:
Gelfer-Jørgensen - The Dream of a Golden Age - Danish Neo-Classical Furniture 1790–1850 ab S. 344
Jörn Bahns - Biedermeier-Möbel - Entstehung – Zentren – Typen ab S. 100
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